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Pleuelstange der Zeche Oberhausen, Schacht 2


Credits:
LVR-Industriemuseum, Jürgen Hoffmann

26.10.2017

Sonderausstellung „Energiewenden“ im Industriemuseum Oberhausen gestartet

Ende 2018 schließt mit Prosper Haniel in Bottrop die letzte deutsche Steinkohlenzeche. Aus diesem Anlass wirft das LVR-Industriemuseum in der Zinkfabrik Altenberg Oberhausen einen Blick auf die Geschichte und die Zukunft der Energie. „Energiewenden – Wendezeiten“ heißt die Sonderausstellung, die bis zum 28. Oktober 2018 zu sehen ist. Es ist das bisher größte Ausstellungsprojekt des Oberhausener Industriemuseums.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Energielandschaft an Rhein und Ruhr. Sie illustriert mehr als jede andere europäische Region, wie die intensive Nutzung von Energieressourcen eine Kulturlandschaft prägt und verändert. Hier schlägt seit 200 Jahren das Herz des deutschen Energiesystems, hier wurden Machtkämpfe um Kohle, Öl und Kernkraft ausgetragen.

Spannende Geschichte der Energie an Rhein und Rhein auf 1.000 Quadratmetern

Diese Region hat einige Energiewenden erlebt und steht mit der aktuellen Energiewende wieder vor tiefgreifenden Veränderungen. „Energiewenden – Wendezeiten“ erzählt auf fast 1.000 Quadratmetern die spannende Geschichte der Energie an Rhein und Rhein als eine Abfolge von Umwälzungen des Energiesystems, die damals wie heute große Folgen für Mensch, Gesellschaft und Umwelt hatten. Aber auch globale Aspekte der Energie kommen in der Ausstellung zur Sprache. Sie schaut zudem auf Gegenwart und Zukunft der aktuellen Energiewende, die auch im einstigen Revier der Kohle allmählich in Fahrt kommt.

Unter Dampf

Kohle und Dampfmaschine begründen die erste Energiewende, die Jahrtausende einer auf Wind, Wasser und Sonne beruhenden vorindustriellen Wirtschaft beendete: Sie brachten das Zeitalter der Fabriken in Schwung und schufen eine Industrielandschaft der rauchenden Schornsteine. Wucht und Macht des neuen Energiesystems vermittelt in der Ausstellung die 150 Jahre alte, über zehn Meter lange, original erhaltene Pleuelstange der Dampfmaschine der Zeche Oberhausen.

Am Netz

Um 1900 beginnt ein neues „Zeitalter der Energie“: die faszinierende neue Elektrizität lässt die Städte nachts erstrahlen und bringt saubere Energie in jedes Haus. Eine großtechnische Infrastruktur aus Talsperren, Großkraftwerken und Leitungsnetzen entsteht, die in ihren Grundzügen das ganze 20. Jahrhundert überdauern sollte und erst durch die jüngste Energiewende ins Wanken kam.

Im Überfluss

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte zunächst Energiemangel, der aber in nur wenigen Jahren in eine Ära des Energieüberflusses, von Wirtschaftswunder und Massenkonsum umschlug. Fuhren zunächst die Kohlekumpel im Revier noch Sonderschichten für den Wiederaufbau, brachte das billige, sprudelnde Erdöl und preiswerte Braunkohle aus dem Großtagebau die zuvor so begehrte Ruhrkohle schnell ins Abseits.

Strahlende Zukunft?

Eine Episode bleibt die „nukleare Wende“: Gerade Nordrhein-Westfalen brach einst mit großen Visionen in ein Schlaraffenland billiger, unerschöpflicher Atomenergie auf. In Hamm und Kalkar sollten die weltweit modernsten Reaktoren gebaut werden. Damit wollte man der Montanindustrie und der heimischen Kohle eine neue Zukunft sichern. Warum dieser Versuch des Ausbruchs in ein nachfossiles Energiezeitalter scheiterte, zeigen eindrückliche Dokumente aus dem gesellschaftlichen Widerstand in der Region, wie zum Beispiel gegen den Schnellen Brüter in Kalkar. Die in der Ausstellung in Teilen aufgebaute Leitwarte eines Atomkraftwerks wirft die Frage nach der Beherrschbarkeit dieser Technologie auf, die die Gesellschaft letztlich verneinte.

Energiewende heute – regional und global

1980 wurde erstmals eine „Energiewende“ propagiert. Heute stecken wir mittendrin, doch ist diese Wende noch lange nicht abgeschlossen: Die Ausstellung geht den Pionieren der aktuellen Energiewende nach, schaut an einer zentralen Globusinstallation aber auch über den Tellerrand der Region in die Welt. Dort stellt sie Projekte rund um den Globus vor, die für eine Vielfalt von Energiewenden weltweit stehen.

Zukunftswerkstatt

In einem offenen Forumsbereich – der „Zukunftswerkstatt“ – präsentieren sich im Wechsel aktuelle Projekte aus Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft der Region – Projekte, die die Wende voranbringen und Mut machen sollen, selbst aktiv zu werden. Gleichzeitig ist die Zukunftswerkstatt Veranstaltungsraum und partizipativer Ausstellungsort. Besucherinnen und Besucher können auch ihre eigene Zukunftsvision für die Energiewende skizzieren.

Energielandschaft digital

Das Zentrum der Ausstellung bildet eine etwa 70 Quadratmeter große, begehbare, interaktive Karte der Rhein-Ruhr-Region: Hier kann man die Energielandschaft Rhein-Ruhr im Gehen erforschen und sich die Orte der Energie in der Kulturlandschaft – Relikte und Landmarken wie Mühlen und Stauseen, Halden, Tagebaue, Schornsteine und Kühltürme – mittels eines Tablets erschließen.
Besucherinnen und Besucher können diese Karte mit eigenen Bildern ergänzen, die zeigen, wie sich die Energielandschaft derzeit verändert. Sie können auch selbst Motive von Relikten früherer Energiewenden, die sie in ihrer Heimatregion entdecken, zur Verfügung stellen.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein Begleitprogramm mit Führungen, Gesprächsrunden, Filmabenden, Experimenten für Kinder und vielem mehr.

LAUFZEIT

20. Oktober 2017 - 28. Oktober 2018

ANSCHRIFT

LVR-Industriemuseum
Zinkfabrik Altenberg
Hansastraße 18
46049 Oberhausen

PREISE

6 €, erm. 5 €
Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre): Eintritt frei!

Öffnungszeiten

dienstags bis freitags 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags 11 – 18 Uhr

Weitere Informationen

www.energiewenden.lvr.de